Als Entomologe werde ich häufig gefragt, was es denn Neues gibt. “Wie geht es den Hummeln denn nun?” “Sterben alle Bienen aus?” Statt zu antworten, frage ich stattdessen lieber, ob du bei dir in letzter Zeit viele Hummeln im Garten gesehen hast und was sie so tun. Die wissenschaftliche Methode ist nicht etwas, das Wissenschaftlern vorbehalten ist. Neugierde und die Interpretation unserer Beobachtungen gehören jedem. Wir alle erforschen, fragen und finden Antworten, die halten bis wir bessere Antworten finden. Genau das tue ich als Wissenschaftler.
Aber die Antworten, die ich finde, sind noch mehr. Sie inspirieren mich, sie spornen mich an. Ich bin leidenschftlicher Fotograf und Zeichner. Früher dachte ich immer, dass es zwei Arten von Leuten gibt: die Künstler und die Forscher. Aber jeder Künstler ist auch ein Forscher, der experimentiert und an seinen Erfahrungen wächst; und ich warte noch darauf, einen Forscher zu treffen, der nicht etwas Künstlerisches in seiner Arbeit findet. Beobachtet man ein Insekt, zum Beispiel eine Hummel, bei ihrem gleichzeitig schwerfälligen und graziösen Flug von Kleeblüte zu Kleeblüte – es wirkt als wäre das Ganze perfekt choreographiert, die Anatomie der Hummel dafür geschaffen. Das Wunderbare ist aber, dass dies einfach nur Natur ist. Evolution ist ein faszinierender Mechanismus.
Als Wissenschaftler bin ich eher ein Geschichtenerzähler, denn mehr als irgendetwas sonst berichte ich davon, was ich so tue und was ich so lerne. Und das tue ich in Schrift, Bild und Foto. Ein Bisschen davon möchte ich hier weiter vermitteln.
Meinen englischsprachigen Lebenslauf habe ich oben zum Download bereit gestellt; eine deutsche Übersetzung ist hier verfügbar. Und falls es noch weitere Fragen, Wünsche oder Anregungen gibt, freue ich mich jederzeit über eine Email.
Meine wissenschaftliche Karriere begann mit dem Grundstudium der Biologie an der Uni Bochum. Ich begeisterte mich für Verhaltensbiologie von Tieren. Leider merkte ich schnell, dass die meisten Tiere schwer zu erforschen waren. Hier begann wohl mein Interesse an Insekten, denn das sind Tiere, die ich in Ruhe beobachten konnte. Es war fast so als lebten sie in einer anderen Welt als meiner.
Termiten sind faszinierende Tiere. Zu den ältesten Insekten gehörend bilden sie oberirdisch oder unterirdisch Gänge zu Futterquellen und verstecken sich so vor möglichen Feinden wie Ameisen, Spinnen, Vögeln und Säugetieren. Dabei setzen sie auf Verteidigung durch ihre Soldaten sowie auf ihre große Populationsdichte. In den Philippinen durfte ich einigen Kolonien tagein-tagaus folgen und ihre Verteidigungsmechanismen genauer untersuchen. Später studierte ich das Lernverhalten einer großen Termitenart, Macrotermes natalensis, in den südafrikanischen Soutpansbergen. Es stellte sich heraus, dass diese Termiten zum Teil genau so schlau sind wie Ameisen und Bienen.
Hummeln (Bombus spp.) hatten es mir besonders angetan. In Deutschland erforschte ich ihr Fouragierverhalten und ihre Duftpräferenzen und fand, dass sie Silberlinden … nicht besonders bevorzugten. Das war vielleicht ein Rückschlag, aber es hielt mich nicht davon ab, mich mehr ihrer Ökologie und insbesondere ihrer Pathologie zu widmen. In den USA untersuchte ich, welche Einflüsse oder Krankheiten die Hummeldichte in Nordamerika in den letzten Jahren so stark verringert haben könnte. Dabei konzentrierte ich mich auf einen Pilz namens Nosema bombi, der scheinbar in Hummeln auf der ganzen Welt zu finden ist.
Das Interesse an Evolution und Ökologie von Insekten hat mich an die Universität Bielefeld geführt. Für meine Doktorarbeit habe ich dort phänotypische Plastizität im Verhalten von Wachsmotten untersucht und nach individuellen Unterschieden in diesen spannenden (und singenden!) Honigbienen-Parasiten gesucht. In meiner Dissertation zum Thema “Sexual selection and the causes of behavioural differences” erzähle ich unter anderem davon, wieso manche Wachsmotten so viel mutiger zu sein scheinen als andere.
Ich glaube ich habe schon im Kindergarten gerne gezeichnet. Mit zunehmender Erfahrung und neu erlernten Techniken wurde der Blei- oder Buntstift bei mir mittlerweile fast vollständig durch Maus und ein digitales Zeichen-Tablet ausgetauscht. Grafik am Computer zu erstellen ist einfach faszinierend. Es ist ein Wunsch von mir, eines Tages wissenschaftliche Illustrationen zu entwerfen, die Lesern und Schülern Biologie einzigartig näher bringen. Bis es soweit ist, macht es einfach Spaß für Öffentlichkeitsarbeit meinen Bleistift und Computer für Poster, Postkarten, Einladungen oder Lesezeichen zu benutzen. Hier sind ein paar meiner Arbeiten, die ich als Auftrag oder für offizielle Projekte angefertigt habe:
Bei den letzten beiden Motiven handelt es sich um ein Kochbuch rund um die Honigbiene, erhältlich bei Amazon.com. Das Kochbuch wurde produziert, um ein neu eingerichtetes Naturkundemuseum über Bestäuber zu unterstützen. Hier sind ein paar Bilder, die Teile von größeren, ganz persönlichen Projekten waren. Da finden sich erste Versuche einer Internetseite, eine Kunstausbildung und überraschend erfolgreiche Designwettbewerbe:
Das letzte Foto (das mit den gesellschaftlichen Affen) habe ich in Südafrika gemacht. Bei der Termitenforschung wurde ich häufig von Pavianen besucht, die Interesse an meinen Experimenten zeigten. Sie waren zwar nicht unbedingt aggressiv, aber so zutraulich wie diese hier waren sie dann vielleicht doch nicht. Vielen Dank an Katie für’s Posieren … und an Photoshop für den Rest.
Ich bin nicht mehr als ein einfacher Hobbyfotograf mit einer guten Kamera, aber ich denke es zahlt sich aus, beim Fotografieren Ausdauer beweisen zu können. Es hat lange gedauert zu lernen, dass oft nur jedes fünfzigste Foto wirklich gut wird, aber im Nachhinein war dieses eine Foto die Mühe wert. Hier stelle ich ein paar Fotos aus, auf die ich ziemlich stolz bin. Die meisten davon haben viel Zeit und Ruhe gekostet. Aber der eine oder andere Schnappschuss ist trotzdem dabei. Aktuellere Aufnahmen sind bei 500px.com/nilscordes zu finden.
Meine Reise durch die Welt hat mich momentan an die Universität Bielefeld verschlagen. In Ostwestfalen ist mein neues Zuhause nun die Fakultät für Biologie, wo ich als Lehrkraft für literale Kompetenzen das “richtig einsteigen“-Team ergänze. Zu erreichen bin ich über die Adresse rechts.
Ich bin gerne bereit, bei entomologischen oder zoologischen Fragen weiter zu helfen. Am einfachsten ist es da wahrscheinlich, mir eine Email zu schicken. Ich freue mich auch jederzeit über eine Rückmeldung zu meiner Website.
Außerdem übernehme ich gerne Auftragsarbeiten. Sei es das Design von Logos, Flyern, wissenschaftlichen Illustrationen oder einfach nur Poster und Karten für den Kindergeburtstag … jede Idee ist eine kurze Email wert. Ich bin sicher wir finden ein Lösung.
Beste Grüße,